Barcamp Rhein-Neckar 2015 oder: Wie ich mir einmal ein Barcamp vor die Haustür holte

Logo: Barcamp Rhein-Neckar

Im wahrsten Sinne des Wortes hat mich dieses Barcamp umgehauen. Ich hing danach in den Seilen, und das in einer Woche, die mir nicht wenig abverlangte: Artikel-Abgabetermine, ein Vortrag bei der Kontaktstelle Frau und Beruf in Mannheim und das übliche Wochenprogramm mit regelmäßigen Pflichtaufgaben.

Aber jetzt komme ich endlich dazu, mir zu überlegen, was mir das Barcamp selbst und die intensive Vorbereitungszeit bedeutet hat.

Die Vorbereitung

Bevor ich auf die Idee kam, mich in das Abenteuer Barcamp-Organisation zu stürzen, hatte ich die eBook-Camps in Hamburg und München besucht. Die offene Atmosphäre gefiel mir und ich konnte mir das Format auch für ein breit gefächertes Themenspektrum besonders gut vorstellen. Für diese offenen Barcamps fehlte mir bislang allerdings die Zeit. Umso besser fand ich die Idee, endlich einmal ein Barcamp direkt in Heidelberg vor der Tür zu haben. Nur, wenn man sich etwas wünscht und will, das es entsteht, muss man meiner Meinung nach mit anpacken, damit was draus wird. So in etwa habe ich auch geantwortet, als ich gefragt wurde, warum ich im Orga-Team bin.

Barcamp-Wand: Alexander Schaefer/Klinkerlieschen

Barcamp-Wand: Alexander Schaefer/Klinkerlieschen/CC-BY-SA

Also traf ich mich im November 2014 zum ersten Mal mit Gleichgesinnten (darunter regelmäßige Barcamp-Besucher sowie Newbies wie ich) in Heidelberg zu einem ersten Barcamp-Brainstorming. Sehr schnell wurde es konkret. Wir hatten bald einen Termin und mit dem Dezernat 16 auch flott einen Veranstaltungsort, bald schon eine Webseite und werkelten an einem Social-Media- und Sponsorennetzwerk.

Das Ringen um Sponsoren

Mithilfe von Sponsorengelder wollten wir 150 Personen eine kostenlose Teilnahme am Barcamp Rhein-Neckar ermöglichen und diese auch mit Essen und Trinken versorgen. Sponsoren zu gewinnen, war ein harter Brocken. Selbst wenn man nach etlichen Anläufen Unterstützer gefunden hatte, war es mit einer Zusage noch lange nicht getan. Die Zahlungsabwicklung – mal mehr, mal weniger bürokratisch – musste mit unserem Finanzwesen in Einklang gebracht sowie Texte und Bilder für die Webseite abgestimmt werden.

An diesem Punkt waren wir wohl alle lange nicht so richtig sicher, ob wir das Ding stemmen können. Toll, dass es doch geklappt.

Der Veranstaltungstag

Offtopic: Als ich am Barcamp-Samstag um kurz nach 7 Uhr mit dem Fahrrad aufbrach und auf der tollen, neuen Heidelberger Fahrradtrasse zwischen Kirchheim und der Bahnstadt Richtung Dezernat 16 fuhr, war das im ersten Sonnenschein ein erhebender Moment und ein besonders guter Einstieg in den Barcamp-Tag.

Ich habe mir für den Veranstaltungstag selbst nicht viel mehr vorgenommen, als Engel-Koordinator Ingo und die helfenden Engel zu unterstützen und generell zu schauen, wie und ob alles läuft. Als Begrüßung und Sessionplanung über die Bühne gebracht waren und auch die Sessions anliefen, habe ich mir dann doch zwei Sessions gegönnt.

Vorsicht Familie? Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist machbar und wünschenswert!

Der Session ging die Veröffentlichung eines Whitepapers von Valeska Henze im Namen der BücherFrauen e.V. in der Woche vor dem Barcamp voraus. Das Whitepaper ist gut 20 Seiten stark. An der Session hat mir gut gefallen, dass Valeska ganz konkret anhand eines Beispielunternehmens – der Frankfurter Buchmesse – aufzeigen konnte, was für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie getan werden kann. Die Buchmesse hat sich dafür seit 2008 einem audit-Verfahren der Hertie-Stiftung unterzogen. Das Fazit der Sessiongeberin Valeska:

„In der Session wurde auf der Grundlage von Erfahrungsberichten der Teilnehmenden deutlich, dass jenseits der allgemeinen Einsicht, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein wichtiger Aspekt bei der individuellen Lebensgestaltung und -planung ist, dies im Job selbst selten ein Thema ist. Es ist ein Theme in der Politik und in der Privatsphäre der Familien. Es liegt aber auch in der Verantwortung der Unternehmen, ihren Beschäftigten Arbeitsbedingungen zu bieten, die sie nicht zu einer Entscheidung zwischen Beruf und Familie zwingt. Ökonomisch profitieren Unternehmen, wenn sie nachhaltige Maßnahmen zur Familienfreundlichkeit einführen. Wichtig ist sich konkret über die herrschenden Bedingungen auszutauschen und mit KollegInnen, vor allem aber auch mit der Geschäftsleitung, gemeinsam über Lösungsmöglichkeiten nachzudenken.“

Das Thema wird die BücherFrauen in ihrem Jubiläumsjahr sicher noch weiter beschäftigen und sie freuen sich darüber, wenn es dazu Feedback gibt, gerne aus der Buchbranche, gerne aber auch aus anderen Branchen. Zum entsprechenden Blog-Beitrag geht es hier. Ich war natürlich auch ein bisschen stolz, dass so viele BücherFrauen beim Barcamp Rhein-Neckar teilnahmen.

BücherFrauen beim Barcamp

BücherFrauen beim Barcamp. Foto: wob.

 

Ein Wiedersehen mit dem #teamschnipsflausch

Weil ich während der Sessionplanung die Aufgabe übernahm, den Vorschlagenden das Mikrofon zu reichen, kam ich als allerletzte dazu, meine eigene Session vorzustellen. Es war überwältigend, dass unsere Zeitslots und Räume bei unserem Barcamp-Debüt sich in kürzester Zeit füllten. Schnell war die Maximalanzahl von 35 Sessions (sieben Räume mit fünf Sessionslots zwischen 10.30 und 16.30 Uhr) erreicht. Das einzig undankbare daran war, dass das #teamschnipsflausch am Nachmittag ins Freie ausweichen musste, weil eben alle Räume belegt waren. Aber was ist denn nun dieses flauschige Etwas? Das #teamschnipsflausch wurde im Juli 2014 zum ersten Mal zum Benefizlauf des Nationalen Centrums für Tumorerkrankung (NCT) in Heidelberg ins Leben gerufen. Ich war bei diesem Lauf bis dahin schon ein oder zwei Mal gestartet und von der guten Atmosphäre am NCT beeindruckt. 2014 erhielt der Lauf für mich einen sehr konkreten Bezug: Eine meiner Buwi-Kommilitoninnen, mit der ich lose in Twitterkontakt stand, war an Brustkrebs erkrankt. Es gelang mir sehr kurzfristig, wiederum gemeinsame Twitterkontakte für den Lauf zusammenzutrommeln, sodass wir am 11. Juli 2014 gemeinsam als #teamschnipsflausch mit 14 Läuferinnen und Läufern 57 Runden à 2,5 Kilometer im Neuenheimer Feld drehten. Darüber hinaus ging ein großer Teil der Startgelder und weiterer Spenden ans NCT. Das #teamschnipsflausch fand auch über Heidelberg hinaus Anhänger, zum Beispiel Johannes Korten. Unserer Adressatin konnten wir mit der Aktion geballte positive Energie durchs Netz schicken.

Ich habe damals nicht zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, wie viel man mit einer solchen Aktion über die sozialen Netzwerke bewegen kann. Darüber hinaus habe ich auch zwei meiner Barcamp-Orgateammitglieder kennengelernt. Also, was wäre das Barcamp Rhein-Neckar ohne das #teamschnipsflausch?

Die Session auf dem Barcamp Rhein-Neckar diente nun dazu, dass Teammitglieder, die auch das Barcamp besuchten, gleich auf den nächsten NCT-Lauf zu „verpflichten“. Und wir konnten auch neue Interessentinnen gewinnen.

Vielmehr hatte ich mir gar nicht vorgenommen, aber ich müsste es ja eigentlich inzwischen besser wissen, dass ein solches Projekt mit aufgeschlossenen Mitstreiterinnen und Mitstreitern schnell mal etwas größer wird. Ich will noch keine großen Versprechungen machen, aber es kann gut sein, dass man vom #teamschnipsflausch bis zum nächsten NCT-Lauf am 10. Juli so einiges lesen wird.

Fazit

Nochmal: WOW! Und dann: Die vielen gutgelaunten Gesichter bei diesem sonnigen Heidelberger Barcamp-Debüt, die Vielfalt der Themen, die Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit und Gelassenheit der Teilnehmenden – sowas habe ich bisher kaum bei Veranstaltungen erlebt. Eine Atmosphäre, die eigentlich nach Wiederholung verlangt, oder?

Von den vielen Themen hätten mich noch einige interessiert: Zum Beispiel Nathans Neugründung der Ironblogger Rhein-Neckar. Mit Bier kann ich nicht so viel anfangen, habe aber auch gehört, die sich verpflichtenden Blogger müssten nicht nur Bier trinken. Ob die frischgebackenen Ironblogger Rhein-Neckar wohl schon losgelegt haben und wer wohl schon in die Kasse einzahlen musste? Meine Seite hier ist nicht so sehr auf einen wöchentlichen Blogpost ausgelegt. Ich möchte ja vor allem einen Blick auf meine Redaktions-, Korrektur- oder Textprojekte eröffnen und ab und zu auch Themen behandeln, die über den rein beruflichen Kontext hinausgehen, wie zum Beispiel das Barcamp. Aber aus der Ferne werde ich die Ironblogger ein bisschen beobachten, irgendwer muss ja auch die ganzen Posts lesen, die in diesem Rahmen produziert werden.

Auch Annette Lindstädts Session zum Thema „Mach’s kurz – Headlines, Teaser und Co.“ hätte mich aus beruflichem Interesse interessiert, man sieht ja, wie lang der Titel zu diesem Text schon wieder geraten ist.

Das Barcamp Rhein-Neckar im Netz – eine Übersicht, ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Webseite Barcamp-Rhein-Neckar

Storify zum Barcamp

Aus dem Orga-Team:

Nathan: #bcrn15

Julia: Barcamp Rhein-Neckar in Heidelberg

Götz: Barcamp Rhein-Neckar 2015: Innen-Ansichten und -einsichten

Stimmen von Teilnehmenden:

Daniel Schöberl:Barcamp Rhein-Neckar: Eine unheimlich gute Premiere

Ben Oswald: Freifunk auf dem Barcamp Rhein-Neckar

Jens Grochtdreis: Barcamp Heidelberg – Barcamp der Beliebigkeit

Frank Hamm: BarCamp Rhein-Neckar 2015: Mein Rückblick

Annette Lindstädt: Mein erstes Mal

Fotos:

Sabine Arndt (Webseite): Barcamp Rhein-Neckar auf Facebook, Teil 1 und Teil 2

Alexander Schäfer (Webseite): Barcamp-Bilder in Dropbox

Lutz Berger (Webseite): Barcamp-Bilder auf flickr und Timelapse-Videos vom MLP-Saal zusammen mit Götz

Videos/RNF:

Ralph Kühnl: Die Videos #bcrn15

Presse/RNZ:

Vorbericht von Daniela Biehl: Barcamp Rhein-Neckar: Menschen zusammen bringen, Ideen bündeln

Nachbericht von Daniela Biehl: Barcamp Rhein-Neckar: Neue Ideen und Perspektiven im Dezernat 16

Liste der Unterstützenden – Danke!

  • LindenKaffee, Heusenstamm
  • MFG Innovationsagentur Medien- und Kreativwirtschaft, Stuttgart
  • Welldone-Studios, Voerg und Feigenbutz GbR, Heidelberg
  • Ausstellungs- und Messe GmbH, Frankfurt
  • Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH, Heidelberg
  • LANGE + PFLANZ Werbeagentur GmbH, Speyer
  • Schlegel & Vogel Haus-und Anlagentechnik GbR, Schönebeck
  • Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Heidelberg
  • Cogitars GmbH, Heidelberg
  • O’Reilly Verlag GmbH & Co. KG, Köln
  • dpunkt.verlag GmbH, Heidelberg
  • trio-interactive it services GmbH, Mannheim
  • Kanzlei Maria Dimartino, Eppelheim
  • Fahrwerk, Agentur für Marketing und Ambient Media GmbH & Co. KG, Heidelberg
  • erdfisch, Heidelberg
  • socialmediawall.me, NOEO GmbH, München
  • Dezernat 16, Kultur- und Kreativwirtschaft, Heidelberg
  • Heidelberger Dienste gGmbH, Heidelberg